Ein Foto wie ‚Kraftakt‘ als Schnappschuss zu produzieren ist kaum möglich, dies erfordert eine sorgfältige Planung und Umsetzung.
Um überhaupt planen zu können, benötigt man zu allererst eine Fotoidee. Als Quellen hierfür nutze ich das Internet, Fotozeitschriften und Fotobücher, bzw. Bildbände und last but not least das eigene Auge. Je länger man sich mit der Fotografie beschäftigt, desto mehr wird dieses geschult und entdeckt Motive und Bildideen, die einem ohne das Interesse an dieser gar nicht aufgefallen wären. Sobald ich auf eine tolle Bildidee stoße, speichere ich mir diese ab (Text oder Bild) und kann bei Bedarf darauf zurückgreifen.
Hat man dann eine interessante Idee gefunden, so lohnt es sich diese zu verfeinern oder zu erweitern. Sowohl Motiv technisch, als auch fotografisch kann man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen.
Am Beispiel ‚Kraftakt‘ fand ich im Internet ein Foto, bei dem eine Ameise in ähnlicher Position zwischen zwei Mooshügeln hängt. Dies wollte ich ein wenig spektakulärer mit Felsen haben und farblich, sowie lichttechnisch sollte es ebenfalls interessanter gestaltet sein.
Um zeitlich ungebunden agieren und auch mal ’schnell‘ fotografieren zu können, baute ich meine Location auf dem Balkon zusammen.
Ein erster Versuchsaufbau ergab folgendes Test Foto:
Hierbei stellte ich fest, dass man bei einer Belichtungszeit von 1/200s (normale Blitzsynchronzeit) und möglichst kleiner Blende (um eine möglichst große Tiefenschärfe mit einem Makroobjektiv zu erhalten) sehr schnell im High-ISO Bereich ist. Um bei rund 2000 ISO möglichst rauscharme Fotos zu produzieren, wechselte ich auf ein Kameragehäuse mit weniger Megapixeln, aber lichtempfindlicherem Sensor.
Anschließend ging ich in den Wald, um meine Models zu akquirieren 🙂
Hier mein Erstversuch mit Ameisen:

F5,6 ; 1/160s ; ISO1600
Das ist nun ganz nett anzuschauen, aber noch lange nicht spektakulär! Die Felsen mussten weiter aus dem Wasser, damit die Ameise nicht einfach baden geht, sondern beim Übergang regelrecht zwischen den Felswänden hängt. Außerdem gefiel mir der monotone Hintergrund nicht, dieser wirkt langweilig und absolut nicht natürlich.
Zur Verbesserung baute ich mir eine Schilfwand. Das grüne Schilf mit seinen Gelbtönen passt farblich sehr gut zur Location und den Ameisen und bringt trotz des weichen Objektiv-Bokehs eine Struktur mit in den Hintergrund.

F20 ; 1/125s ; ISO5000
Der Aufbau passt nun sehr gut, hier ein paar Handy Bilder von der endgültigen Location:
Wie man hier gut erkennt, ist neben der eigentlichen Location noch ein weiteres ‚Becken‘ mit Wasser, ein Glas mit Waldboden und den Ameisen. Vom Glas Rand aus, geht ein Steg zu den Felsen. Dadurch konnte ich durch wegziehen steuern, dass nicht alle Ameisen sich an den Steinen befanden!
Danach wagte ich mich an die Spiegelung und das Licht im Allgemeinen. Hier hilft einfach nur testen und je häufiger man das schon tat, die jeweilige Erfahrung. Ich machte einige Bilder mit unterschiedlichen Blitzvariationen. Da mich das Ergebnis nicht zufrieden stellte, arbeitete ich zusätzlich noch mit unterschiedlichen Reflektoren. Auch die Tageszeit war trotz der Fotografie im Schatten noch maßgeblich an der Lichtstimmung beteiligt. Nach und nach kam ich meiner Vorstellung immer näher und konnte alsbald nach neuen Models Ausschau halten.
Bei den nachfolgenden Aufnahmen musste ich trotzdem noch viel Geduld aufbringen und auf den entscheidenden Moment warten. So vergingen noch 3-4 Anläufe mit ein paar hundert Bildern, ehe der finale Schuss im Kasten war.
Aber wie so oft entschädigt das Ergebnis für alle die Mühen:

F16; 1/200s ; ISO2000
Das Foto wurde mit Lightroom als RAW-Converter entwickelt und in Photoshop fertig bearbeitet. Hier habe ich neben den gängigen Tonwert- und Farbanpassungen noch Lichtreflexionen entfernt und der Hintergrund weich gezeichnet.
Zu allerletzt möchte ich alle Interessenten bitten, im Falle einer ähnlichen Fotosession die fleißigen Tiere nach getaner Arbeit wieder ihrer natürlichen Umgebung zu übergeben. Dies ist sicherlich das Wenigste, was wir ihnen schuldig sind!
Eingesetztes Equipment:
Nikon D4
AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED
Fernauslöser
Stativ Manfrotto 055XPROB mit 808RC4 Drei-Wege-Kopf
2x Systemblitz – Yongnuo YN-560 Mark II
2x Reflektor
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